Breite Life

Unser Santiglaus

Auch dieses Jahr werden die Santigläuse wieder rund um den 6. Dezember
unterwegs sein, und auch in unseren Quartieren gibt es mindestens einen. Dieser muss aber nicht unbedingt ein Mann sein. An einem kühlen Herbsttag treffe ich A.* im Café Jetzer in der Breite. Sie ist seit Jahren als Santiglaus unterwegs.

Sie würde die Tonlage nicht wechseln, wenn sie als Samichlaus unterwegs sei, und wenn sie von den Kindern gefragt werde, warum denn der Santiglaus eine Frau sei, antworte sie: «Der Santiglaus ist ein alter Mann, er kann nicht alles alleine machen. Jedes Jahr werden deshalb neue Helfer ausgebildet, und zwar aus denjenigen Kindern, welche im Sack mitgenommen wurden.» Mit dieser Erklärung seien die Kleinen zufrieden. Manche würden gar berichten, wie unartig sie gewesen seien, in der Hoffnung, im Sack zu landen und auch Santiglaus zu werden. 

Familientradition

Die grünen Augen der dreissigjährigen Alleinerziehenden leuchten, wenn Sie von ihren Erlebnissen erzählt. Sie führe eine Familientradition fort; bereits von ihrem Urgrossvater wisse sie, dass er Santglaus gewesen sei. Sie habe das «Glausen» von ihrer Mutter gelernt, mit der sie als Schmutzli unterwegs war. Einen guten Santiglaus zeichne eine spontane Interaktion mit Kindern und Erwachsenen sowie eine gute Prise Schlagfertigkeit aus. Das Wichtigste sei aber, dass man Kinder mag. 

Sie freue sich, wenn es ihr gelinge, ängstliche Kinder etwas aus der Reserve zu locken. Eltern hätten ihr zurückgemeldet, dass Ermahnungen durchaus Verhaltensänderungen nach sich zögen. Manche Kinder würden ihr den Nuggi mitgeben, wenn es Zeit für die Entwöhnung ist. Werde sie von ihnen im folgenden Jahr gefragt, was sie damit gemacht habe, antworte sie, er sei an eine Mami mit Baby abgegeben worden, die sich keinen Nuggi leisten kann. Das freue die Kinder, und so könne das soziale Denken im Kleinen gefördert werden.

Santigläuse wieder gefragt

Seien private Santigläuse in den letzten Jahren etwas weniger gefragt gewesen, erlebe die Tradition aktuell wieder einen Aufschwung. Nebst Besuchen bei Familien werde sie für Firmenanlässe und von Schulen gebucht. Meist sei sie während einer Woche im Dezember unterwegs. Die Touren würden einiges an Organisation abverlangen. Die ersten Anfragen würden Anfang Jahr hereinkommen und häufig werde bereits anlässlich ihres Besuchs fürs nächste Jahr angefragt. 

Als moderner Niggi habe sie vor einigen Jahren einen Smart gemietet. Als jedoch das Licht im dichten Nebel ausfiel, musste sie ihre Tour abbrechen. Mit dem eigenen Auto habe sie dieses Problem nicht mehr. Wenn sie sich für dieses Jahr etwas wünschen könnte, wäre es eine grössere Diversität bei den Versen. Es gäbe schliesslich auch noch andere als «Santi Niggi Näggi …».

Infobox

Frau Santiglaus aus der Breite freut sich auf Anfragen per E-Mail an: singelmami@bluewin.ch