Fokus

Menschen müssen das Meer verstehen

Es wird bald Frühling und so zieht es wieder mehr Baslerinnen und Basler raus in die Natur. Gerade die an den Rhein grenzenden Quartiere sind besonders beliebt als Naherholungsgebiet, springen doch viele im Sommer auch hier in den Rhein. Mit dem Rhein, der auf seiner Reise von Graubünden bis an die Nordsee, Basel durchfliesst, haben wir ein besonderes Privileg, aber auch eine grosse Verantwortung. Das Projekt Ozeanium des Zoo Basel möchte uns dazu sensibilisieren, diese Verantwortung wahrzunehmen.

Wer meint, die Menschen in den Binnenländern hätten mit dem Meer nur wenig zu tun, der täuscht sich. Wir alle nutzen das Meer, auch wenn wir es kaum bemerken. Jedes Jahr fliessen 70 Milliarden Kubikmeter Rheinwasser in die Nordsee. Damit wandert aber auch alles, was wir mit dem Wasser mitgeben, ins Meer: Abwässer der Kläranlagen, Abfälle, Kunststofffasern aus Textilien und Plastikkügelchen aus Peelings oder Duschmitteln.

Mit mehr Wissen zu besserem Schutz

Der Schweiz fehlt heute eine Institution für die Meeresbildung. Gerade in Binnenländern ist die Sensibilisierung für die bedrohten Weltmeere von Nöten, denn hier werden viele der Probleme, welche die Ozeane bedrohen, verursacht. Der Zoo Basel möchte mit dem Ozeanium auf dem Unort Heuwaage ein Ort für Umweltbildung schaffen. Menschen müssen das Meer verstehen, um es schützen zu können, damit es den nächsten Generationen als Ressource erhalten bleibt.

Momentan kennen wir rund 250’000 Meeresorganismen, viele Forscher sind jedoch der Meinung, dass etwa zehnmal mehr Arten im Meer leben. Wir kennen sie bloss nicht. Das Meer ist das grösste zusammenhängende Ökosystem der Erde. Es ist ständig in Bewegung, grosse Strömungen machen es zu einem Fliessgewässer. Die Strömungen sind die Grundlage für das meiste Leben im Meer. Angetrieben werden sie vor allem von der Sonne.

Ein Kilometer Reise durchs Meer

Die Strömungen bilden denn auch den «roten Faden» im Ozeanium. Ein Rundgang von fast einem Kilometer Länge soll die Besucher im Ozeanium entlang der Meeresströmung einmal um die Welt und in rund 30 Themengebiete führen.

Als Besucher taucht man ein in faszinierende Lebenswelten, beobachtet die unbekannten Unterwasserwelten und setzt sich an Wissensstationen und Beobachtungsposten, anhand von Live Demonstrationen und Workshops mit diesem Lebensraum weiter auseinander. Das Ozeanium zeigt das Meer in seiner Vielfalt und Schönheit und führt vor Augen, wie die Ökosysteme unseres Planeten miteinander verbunden sind. Ganz der Philosophie des Zolli folgend, steht auch beim Ozeanium der Natur- und Artenschutz im Mittelpunkt. 

Selbsterlebtes und -gesehenes bleibt besser in unserem Gedächtnis haften als Wissen aus Büchern und von Bildschirmen. So fällt es einem sicher wesentlich einfacher, sich an den ersten Besuch im Zolli zu erinnern, als an den ersten Film, in dem wird ein Pinguin gesehen haben.

Es wird Frühling und so steigt die Wahrscheinlichkeit des ein oder anderen Spaziergangs am Rhein, beim dem wir uns Gedanken über unsere Gewässer und unser Ozeanium machen sollten. Wir stimmen in naher Zukunft über das Projekt ab und es wäre schade, diese Chance für Basel und das Meer nicht zu ergreifen.